Mein Freiwilliges Jahr im politischen Leben bei der Karl-Arnold-Stiftung (2012/2013)

Ich habe im Sommer 2012 mein Abitur gemacht. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, was ich später vielleicht mal machen möchte. Damit ich mich besser orientieren kann, habe ich mich dazu entschieden, ein Freiwilliges Jahr im politischen Leben zu machen.


FJP – kann man das essen?


Unter einem Freiwilligen Jahr im politischen Leben konnten sich die meisten Leute in meinem Bekanntenkreis erst mal nichts vorstellen und ein Freund meines Bruders, der ein Freiwilliges soziales Jahr gemacht hatte, warnte mich, dass da nur Leute mitmachen, die die nächsten Bundestagskanzler*in werden wollen. Ich habe mich trotzdem dazu entschieden, bei der Karl-Arnold-Stiftung ein Freiwilliges Jahr zu machen und habe diese Entscheidung bis jetzt nicht bereut ;-). Ein paar der anderen FJPler*innen, mit denen ich Seminare erlebt habe, haben zum Beispiel bei der Welthungerhilfe oder im Landtag in der Verwaltung mitgearbeitet, aber es gab auch einige, die wie ich in einer Stiftung für politische Bildung waren. Ich hatte mich für diese Stiftung entschieden, weil ich politische Bildung sehr wichtig finde und mich die Vielfalt der angebotenen Seminare angesprochen hat.


Einmal Frankfurt und zurück


Ein freiwilliges Jahr geht meistens von Anfang September bis Ende August. Ich konnte meine neuen Kolleginnen und Kollegen schon vor dem eigentlichen Start im August auf einem Betriebsausflug nach Frankfurt kennenlernen. Zu dem Ausflug kam auch mein Vorgänger mit, sodass ich mich mit ihm noch ein bisschen über meine künftige Arbeit austauschen konnte, und nachdem wir trotz einer kleinen ICE-Panne auf dem Rückweg wieder gut zu Hause angekommen waren, ging es ein paar Tage später richtig los.


Tägliche Aufgaben und Pflichten


Mein Vorgänger hatte mir eine Zusammenfassung meiner täglichen Aufgaben geschrieben, sodass ich mich relativ schnell einarbeiten konnte. Ich habe in diesem Jahr hauptsächlich die HPMs (hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter*innen) unterstützt, das heißt Unterlagen für die Seminare vorbereitet, Befragungen nach den Seminaren durchgeführt und die Homepage mit betreut. Besonderen Spaß hat es mir immer gemacht, wenn Gruppen bei uns im Haus waren und ich diese auf den Seminaren begleiten konnte. So war ich mehrere Male mit Gruppen im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, im Palais Schaumburg, im Konrad-Adenauer-Haus und einmal auch im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und im Verteidigungsministerium. 


Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin!


Ein Höhepunkt in meinem Freiwilligen Jahr war eine Berlin-Fahrt, die ich mit Unterstützung der HPMs selbstständig geplant und organisiert habe. Als ich am 28.09.2012 die Mail bekam, ich solle ein „Seminar von der Anbahnung bis zur Durchführung und Abwicklung komplett betreuen“, war so ziemlich mein erster Gedanke „Oh mein Gott, das schaff ich nie!“, trotzdem legte ich los und verschickte Anfragen an Hotels und Busunternehmen. Nachdem ich die benötigten Zusagen hatte, ging es an die konkrete Planung. Institutionen und Gedenkstätten wurden angefragt, Zeiten abgestimmt und Essen bestellt. Am Ende kam ein Programm zustande, an dem ich als Schülerin auch gerne teilgenommen hätte. Im Januar durfte ich dann mit nach Berlin fahren und konnte sehen, dass tatsächlich alles so geklappt hat, wie ich mir das vorgestellt hatte. Neben den interessanten und teilweise beeindruckenden Besuchen in den verschiedenen Gedenkstätten und Institutionen hatte ich ein paar nette Abende mit den begleitenden Lehrkräften und dem Tagungsleiter in unserer „Stammkneipe“ ein paar Straßen von unserem Hotel entfernt. Diese Erfahrung, nicht mehr Teilnehmerin, sondern Tagungsleiterin zu sein, ist eine weitere, die ich in diesem Jahr immer wieder gemacht habe.

 

Nichts gegen die Mitarbeit in der Stiftung, aber…


Ein weiterer wichtiger Bestandteil des FJPs ist die Teilnahme an vier Pflicht- und einem Wahlseminar, durchgeführt von der ijgd (internationale Jugendgemeinschaftsdienste). Auf den Seminaren kommt man mit anderen Freiwilligen in Kontakt und kann sich über die Arbeit austauschen, außerdem werden immer viele interessante Themen behandelt. Die Pflichtseminare verbringt man in einer festen Gruppe mit den anderen FJPler*innen aus Nordrhein Westfalen und Hessen. Die Seminare werden immer von den Teilnehmenden selbst organisiert, vom Einkaufen und Kochen in Kochgruppen über die Planung der Seminarthemen bis zur Mitgestaltung der Einheiten auf den Seminaren. So wird auf den Seminaren auch thematisch das behandelt, was einen Großteil der Gruppe interessiert, denn wie bei einer FJP-Gruppe nicht anders zu erwarten, wird demokratisch gewählt, was auf dem nächsten Seminar stattfinden wird.
Einheiten, die wir zum Beispiel gemacht haben, reichten vom Bauen von Notizbüchern aus Holz (1. Seminar) über das Planspiel „Rosanien in der Krise“ (2. Seminar) bis hin zu einer gemeinsamen Kanutour (letztes Seminar). Ein Thema, das uns über alle Seminare hinweg begleitete, war das Thema „Sexismus“, und so hatten wir auf dem 3. Seminar zwei Mitarbeiterinnen aus einer Beratungsstelle für Frauen aus Wuppertal zu uns eingeladen. Wer es bis dahin noch nicht machte, musste nach dem interessanten Gespräch mit den beiden Damen aufpassen, dass sie, beziehungswiese er, auch alles in Gesprächen in der Gruppe richtig genderte.
Das Wahlseminar habe ich zusammen mit drei anderen aus meiner Seminargruppe, 15 FSJlerinnen und einem FSJler auf einem Demeterhof verbracht, ebenfalls eine interessante Woche in der ich viel Neues gelernt habe. Seitdem achte ich zum Beispiel viel mehr darauf, wo mein Essen herkommt und dass ich nicht mehr so viel gutes Essen wegschmeiße.


To put it in a nutshell


Mein Freiwilliges Jahr möchte ich nicht mehr missen. Ich konnte Unmengen an neuen Erfahrungen sammeln und viele Kontakte und Freundschaften knüpfen. Mein Ziel vom FJP, mich zu orientieren, habe ich ebenfalls erreicht und konnte mich endlich für einen Studiengang entscheiden. Somit war es ein voller Erfolg, und wenn ich auch mit positiven Erwartungen in die Zukunft blicke und mich freue, bald etwas Neues anfangen zu können, so werde ich auch immer wieder an die Zeit bei der Karl-Arnold-Stiftung zurückdenken und mich an die vielen tollen Erlebnisse erinnern, die ich in diesem Jahr gemacht habe.
An dieser Stelle möchte ich deshalb auch noch mal allen danken, die dazu beigetragen haben, dass mein FJP so ein voller Erfolg war: VIELEN DANK!!!

Alina Möller-Börkel, im August 2013