Das Karl-Arnold-Institut – Kompetenzzentrum für aufsuchende politische Bildung

Die Karl-Arnold-Stiftung führt seit 1959 Seminare, Fachtagungen und Studienseminare zur politischen Bildung durch. Unser Ziel war und ist es, den Teilnehmenden demokratische Grundüberzeugungen zu vermitteln. Im Laufe der Jahrzehnte haben wir die Inhalte, Methoden und Formate der Veranstaltungen immer wieder neu an die Bedarfe der jeweiligen Zielgruppen angepasst.

Die außerschulische politische Bildung beruht mit ihren Angeboten grundsätzlich auf dem Freiwilligkeitsprinzip. Die bisherige Art der Angebote brachte es allerdings leider mit sich, dass bestimmte Teile der Bevölkerung mit den klassischen Bildungsangeboten nicht erreicht werden konnte.
Die vielfältigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen, eine zunehmenden Radikalisierung und die zunehmende Destabilisierung unserer Demokratie durch die Wahlerfolge an den politischen Rändern machen es deutlich: eine gute und erfolgreiche politische Bildung muss alle Bevölkerungsschichten ansprechen.

Wir sind daher zu dem Ergebnis gekommen, dass Elemente der politischen Bildung insbesondere auch zu denjenigen Menschen gebracht werden müssen, die bisher nicht von den klassischen Bildungsangeboten in Tagungshäusern oder über Studienfahrten erreicht werden konten.

Unser Ansatz der aufsuchenden politischen Bildung beinhaltet eine enge Zusammenarbeit mit Multiplikatoren und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die bereits vor Ort in bestimmten Sozialräumen tätig sind. Zunächst identifizieren wir im Rahmen unserer Bildungsangebote engagierte Menschen vor Ort, bilden diese weiter und identifizieren aus dem Kreis dieser Teilnehmenden geeignete zukünftige Referentinnen und Referenten. Gemeinsam mit diesen entwickeln wir anschließend neue Methoden und Formate, mit denen wir Elemente der politischen Bildung auch bislang nicht erreichten Zielgruppen zugänglich machen können.

Gerade in multikulturell geprägten Stadtteilen besteht sehr oft der Wunsch nach einer Wertevermittlung, einer Sprachförderung und/oder einer Berufsvorbereitung für zugewanderte Menschen - diese Maßnahmen sind eine grundlegende Voraussetzung für eine gesellschaftliche und politische Teilhabe.

Um unsere bereits seit 2017 durchgeführten Aktivitäten organisatorisch sinnvoll zu bündeln und systematisch weiterentwickeln zu können, wurde Anfang 2019 unter dem Dach der Karl-Arnold-Stiftung das Karl-Arnold-Institut gegründet.

Aktuell werden im Institut folgende Projekte und Kurse durchgeführt:

Sprache und Werte

Der Kurs „Sprache und Werte: Ein Einstiegskurs für Zugewanderte“ vermittelt die für eine erste Orientierung notwendigen sprachlichen, politischen und kulturellen Inhalte für Zugewanderte, die bisher noch keinen Integrations- oder Sprachkurs besucht haben. Der sprachliche Teil umfasst 200 Unterrichtsstunden (zu je 45 Minuten).
Die Vermittlung erfolgt praxisnah, das erlernte theoretische Wissen wird durch Exkursionen zu Einkaufsmöglichkeiten und Behörden in der Nähe des Kursortes sowie durch Fahrten im ÖPNV eingeübt und gefestigt.

Der politisch-kulturelle Teil umfasst 50 Unterrichtseinheiten (zu je 45 Minuten). Die Inhalte werden eng mit der Sprachvermittlung verbunden sowie handlungsorientiert und zielgruppenbezogen unterrichtet. Die Teilnehmenden werden hierbei anregt, sich aktiv ins Unterrichtsgeschehen einzubringen. Dies beinhaltet auch Diskussionen zu verschiedenen Standpunkten und Perspektivenwechsel an geeigneter Stelle. Die Teilnehmer werden zudem angeleitet, die Themen selbständig zu erarbeiten. Es werden verschiedene interaktive Unterrichtsmethoden und Medien wie Workshops, Rollenspiele, Exkursionen und digitale Formate eingesetzt.

Leben in Deutschland

Das Seminar „Leben in Deutschland: Politik, Gesellschaft und Kultur für Zugewanderte“ richtet sich an volljährige Neuankömmlinge in Deutschland, die den offiziellen Integrationskurs noch nicht absolviert haben. Das Konzept wurde in enger Zusammenarbeit mit kürzlich nach Deutschland Zugewanderten sowie mit hier bereits länger lebenden Menschen mit Migrationshintergrund entwickelt. Die Themenauswahl erfolgt teilnehmerorientiert und ist eng auf die Lebenswelt der Zielgruppe abgestimmt. In 72 Unterrichtseinheiten (zu je 45 Minuten) werden grundlegende Werte der deutschen Demokratie und ihre Verankerung im täglichen und politischen Alltag vermittelt. Auch hier werden die Teilnehmenden anregt, sich aktiv ins Unterrichtsgeschehen einzubringen, die Vermittlung der Themen erfolgt handlungsorientiert. Dies beinhaltet auch eine Diskussion verschiedener Standpunkte und Perspektivenwechsel an geeigneter Stelle. Die Teilnehmer werden angeleitet, die Themen selbständig zu erarbeiten. Hierfür werden verschiedene interaktive Unterrichtsmethoden und Medien eingesetzt.

Niederschwellige Berufsvorbereitung für Geflüchtete mit besonderem Förderbedarf

Der Kurs richtet sich an Teilnehmende, die den angestrebten Abschluss über eine internationale Förderklasse (IFK) nicht erreicht haben. Lernziele des Kurses sind die Erreichung von Sprachkenntnissen, die den Mindestanforderungen von Alltag und Beruf genügen sowie die Vermittlung wesentlicher Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland und Empowerment der Teilnehmenden im Hinblick auf eine berufliche Tätigkeit. Die Vermittlung erfolgt alltagsbezogen in Kleingruppen, die Teilnehmenden werden in die bestehenden Netzwerke von Migrantenselbstorganisationen der Karl-Arnold-Stiftung eingeführt und erhalten eine individuelle Peer-to-Peer Förderung. Im Rahmen des Kurses werden zudem begleitete Berufspraktika durchgeführt. Die Kursdauer beträgt 2 Jahre.

Werteberater ausbilden - Sprachtrainer interkulturell schulen

Die Ausbildungsreihe "Werteberater" fokussiert auf Personen mit Migrationshintergrund, die bereits in der Integrationsarbeit tätig sind oder sich zukünftig in der Integrationsarbeit betätigen wollen. Nach erfolgreicher Ausbildung werden die Werteberater als Tutoren in Integrationskursen und vergleichbaren Maßnahmen eingesetzt.
Die Weiterbildungsreihe "Sprachtrainer interkulturell schulen" verstetigt die bereits vorhandenen Kompetenzen von Sprachdozenten im interkulturellen Lernen und baut diese aus. Ziel des gesamten Projektes ist es, durch diese beiden Projektbausteine die Bestehensquote in den Integrationskursen signifikant zu erhöhen. Unser Projektpartner ist IMAP aus Düsseldorf. 

Aktivierung der Zivilgesellschaft für eine erfolgreiche Integration

Das Projekt aktiviert vorhandene zivilgesellschaftliche Initiativen in Bezug auf Integration von Zugewanderten mit Fluchtgeschichte in Teilhabestrukturen. Es systematisiert und verbindet Methoden des Community Organizing, der politisch-historischen Bildung, der individuellen Sprachbegleitung und der interkulturellen Öffnung von zivilgesellschaftlichen Akteuren an den Projektstandorten Köln und Berlin und macht die Ergebnisse für die Integrationsarbeit nutzbar. Projektpartner sind IMAP aus Düsseldorf und das Deutsche Institut für Community Organizing aus Berlin. 

Demokratiewerkstatt im Kölner Norden

„Jetzt! Demokratie stärken – Mitbestimmen“ ist Auftrag und Motto der Demokratiewerkstatt im Kölner Norden – eines Gemeinschaftsprojektes der Karl-Arnold-Stiftung und der Bürgerplattform „Stark! im Kölner Norden“, das sich mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung NRW zum Ziel gesetzt hat, Aktivitäten zur politischen Bildung und Demokratiearbeit quartiersbezogen zu bündeln und nachhaltig zu betreiben. Handlungsorientiert, auf den Grundwerten der Demokratie basierend, sollen die Menschen im Kölner Norden bei der Bewältigung ihrer Probleme begleitet und ermuntert werden, sich für die Durchsetzung ihrer Interessen politisch zu engagieren. Im Rahmen der Demokratiewerkstatt im Kölner Norden werden konkrete Probleme aufgegriffen und bearbeitet, Wirkungsweisen von Entscheidungen kennengelernt und eigenständig Lösungswege erarbeitet. Darüber hinaus bietet die Demokratiewerkstatt den Raum, Ärger und Enttäuschungen zu artikulieren.
Weitere Informationen finden Sie im Blog der Demokratiewerkstatt.

Etablierung von Elementen der politischen Bildung in subkulturellen Kontexten

Das Projekt befähigt Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16-30 Jahren an den Projektstandorten Köln und Berlin, die bisher nicht mit politischen Bildungsmaßnahmen erreicht werden konnten, zur politischen Partizipation. Hierfür werden gemeinnützige Vereine und Initiativen, die die Zielgruppe durch subkulturelle Angebote erreichen, professionalisiert und zu Trägern der politischen Bildung qualifiziert. Engagierte Multiplikatoren aus dem Umfeld der Vereine und Initiativen sowie aus der Zielgruppe werden aus- und weitergebildet und als Dozenten für politische Bildung in selbst entwickelten Formaten eingesetzt. Die entwickelten Konzepte, Ergebnisse und Erfahrungen werden für anderen Träger der politischen Bildung und die interessierte Öffentlichkeit audiovisuell aufbereitet und verfügbar gemacht.
Projektpartner ist das Deutsche Institut für Community Organizing aus Berlin.

Hier die aktuellen und geplanten Veranstaltungen des Instituts:

16.09.2019 - 20.12.2019Anmeldeschluss: 01.01.1970
Der Kurs "Sprache und Werte: Ein Einstiegskurs für Zugewanderte" vermittelt für eine erste Orientierung notwendige sprachliche sowie politische und kulturelle Inhalte für Zugewanderte, die bisher noch ...[mehr]
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03.06.2020 - 05.06.2020Anmeldeschluss: 01.01.1970
Die Europäische Union ist für viele Flüchtlinge aus aller Welt aus einer Vielzahl von Gründen ihr Ziel. Die EU muss sich dieser Herausforderung stellen. Das Planspiel thematisiert die aktuelle ...[mehr]
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