Thüringen: Politik, Wirtschaft und Kultur einer deutschen Kernregion

Mitglieder und Freunde des Vereins für Sicherheitspolitik aus Geilenkirchen nahmen an unserer Seminarreise nach Thüringen teil. Die Gruppe bewertete das Seminar als „äußerst informativ und sehr gut organisiert“. Der Freistaat Thüringen sei beispielhaft für die Veränderungen und rasanten Entwicklungen im wiedervereinigten Deutschland gelungen präsentiert worden. Die Seminarreise startete an der Gedenkstätte Point Alpha. Dort nahmen die Teilnehmenden (TN) an einer Führung über den Gesamtkomplex des ehemaligen östlichsten Vorpostens der NATO teil. Wie ein unvergleichliches Zeitzeugnis empfand die Gruppe den Ort – darüber hinaus ließ der Referent eigene „Grenzerfahrungen“ aus der Zeit der deutschen Teilung einfließen. Geschichte wurde sichtbar und begreifbar erlebt.

In Weimar erinnerte die Gedenktafel für die Nationalversammlung an den demokratischen Aufbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Thüringen, die die Bedeutung der Weimarer Verfassung und der Bauhausgründung 1919. Zuvor hatte sich die Gruppe im Tagungshaus mit dem Film „Der Geist von Weimar“ von Peter Merseburger in hervorragender Weise mit der kulturellen und politischen Bedeutung Weimars für deutsche und europäische Geschichte vertraut und auseinandersetzen können. Auch aktuelle wirtschaftliche Aspekte wurden diskutiert und in Augenschein genommen. So hatte die Gruppe im Rahmen einer Betriebsbesichtigung Gelegenheit, die Thüringer Porzellanproduktion aus nächster Nähe kennenzulernen und mit Mitarbeiterinnen der Firma Weimar Porzellan ins Gespräch zu kommen.

Weimar und Buchenwald gehören zusammen … – die Teilnehmenden begaben sich jedoch nicht nur auf eine anspruchsvolle und bewegende Spurensuche im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald, sondern diskutierten auch mit wissenschaftlichen Referenten der Stiftung Ettersberg über deren Forschung und Wirken und die Frage: Wie kann die Gründungsidee des ehemaligen Buchenwaldhäftlings Jorge Semprun, Buchenwald solle als Bezugspunkt der doppelten Diktaturerfahrung der Deutschen in europäischer Perspektive fruchtbar gemacht werden, in die Praxis umgesetzt werden? Das umfangreiche Aufgaben und Arbeitsspektrum der Stiftung Ettersberg beeindruckte die Gruppe sehr, reizte aber auch zu Nachfragen über Erfolg und Effizienz der Stiftungsarbeit mit Blick auf die kontinuierlich hohen Wahlerfolge der LINKE in den östlichen Bundesländern.

Dieser Gedanke kam nochmals in den Diskussionen auf, die mit einer Referentin der Erfurter Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen geführt wurden. Sie hatte zuvor eindrucksvoll auf die zahllosen Karteien und Magazine verwiesen und anschaulich Erschließung, Rekonstruktion und Restaurierung der Stasi-Unterlagen beschrieben - und konnte auch von persönlichen Erfahrungen mit Opfern und Tätern berichten.

 

Abgerundet wurde dieses Thüringenseminar nicht nur mit einem informativen Gespräch mit Thüringens ehemaligen Innenminister Scherer im Thüringer Landtag und einem Stadtrundgang durch die Landeshauptstadt. Großen Eindruck hinterließ die geführte Besichtigung im Glasmuseum Schott in Jena. Die wechselhafte Geschichte und spannende Gegenwart des international tätigen Konzerns wurden multimedial erlebt und die moderne, museumspädagogische Konzeption positiv hervorgehoben.

Das abwechslungsreich gestaltete Programm führte die Gruppe auch nach Jena-Lobeda. Mit hoher Authentizität und Engagement schilderte die dort heimische Referentin den Umbau Lobedas „ … von der Plattenbausiedlung zum grünen Universitätsstadtteil.“ Sie machte vor allem auch auf die vielen Grünzonen, bespielbaren Rasenflächen, Gemeinschaftsgärten und den "Naturerlebnisgarten" aufmerksam, durch die ein sehr attraktives Wohnumfeld geschaffen wurde. Die Rückfahrt nutzte man zu einer „Stippvisite“ auf der Wartburg, die wie nur wenige Bauwerke eindrucksvoll und und nachhaltig das Streben der Deutschen nach Demokratie und nationaler Einheit symbolisiert.

 

 

 

 

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