Von Brüssel über Verdun nach Straßburg

„Es ist ein Wunder, dass heute am französischen Nationalfeiertag ein deutscher Panzer über den Champs-Elysee fahren kann“, so das treffende Fazit eines Teilnehmers. Die wechselhafte europäisches Geschichte an drei Orten hautnah erleben, sich erinnern und Schlüsse für die Gegenwart ziehen – diese Erfahrunge konnten Schüler aus Coesfeld bei diesem Seminar der Karl-Arnold-Stiftung machten. 

Insgesamt konnte - und das war das erklärte Ziel der Karl-Arnold-Stiftung - mit diesem Seminar deutlich gemacht werden, welchen Wert die Europäische Union hat, weil sie den Frieden in Europa seit bald 70 Jahren sichert. Bei allen aktuellen Problemen und Sorgen in Europa stellt dies einen unvergleichbaren Wert dar, so dass die aktuelle Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis kurze Zeit nach dem Seminar eine schöne und verdiente Geste darstellt.

Aufgrund des großen Interesses wurde die Veranstaltung in zwei parallelen Gruppen durchgeführt. 

Zunächst bot eine mehrstündige Stadtrundfahrt allen Teilnehmern einen wichtigen Überblick über die Geschichte Belgiens im europäischen Kontext. Deutlich wurde der österreichische, niederländische und französische Einfluss auf die Geschichte des Landes und der Stadt Brüssel. 

Im sogenannten "Machtdreieck der EU“, dem Europaviertel, wurden das Parlament und der Ausschuss der Regionen besucht. Bei der Führung durch das Europaparlament informierten sich die Teilnehmer über die Arbeitsabläufe und die Funktionsweise des Parlaments. Im weniger bekannten Ausschuss der Regionen wurde den Schülerinnen und Schülern die Arbeit des Ausschusses aufgezeigt. 

Nach Brüssel ging es zunächst weiter nach Waterloo. Die Schlacht bei Waterloo vom 18. Juni 1815 war die letzte Schlacht Napoleon Bonapartes. Die Niederlage der von Napoleon geführten Franzosen beendete dessen "Herrschaft der Hundert Tage". In einem beeindruckenden, szenisch nachgestalteten Schlachtfresko, wird die Schlacht anschaulich dargestellt. Die Schülergruppe lauschte gespannt den Ausführungen der Führerin vor Ort und durch die über Lautsprecher verbreiteten Kampfgeräusche fühlte man sich direkt in die Schlacht versetzt. Anschließend ging es über 226 Stufen hinauf auf den Löwenhügel. Von hier aus hatte man einen herrlichen Rundumblick über das damalige Schlachtfeld.

EU-Parlament Brüssel
Ausschuss der Regionen
Gebäude im EU-Viertel
Mittagessen am Grand Place
Stadtführung
Waterloo

Auf dem Weg nach Straßburg erfolgte ein weiterer Zwischenstopp in Verdun. Kein anderer Ort steht für die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges zwischen Frankreich und Deutschland. Der selbe Ort steht aber auch für die Aussöhnung zwischen beiden Völkern. Hier reichten sich der damalige Staatspräsident Mitterand und der damalige Bundeskanzler Kohl die Hand zur der Versöhnung. Der Besuch des Fort Douaumont hinterließ bei den Schülerinnen und Schülern bleibende Erinnerungen. Hier wurden die Erstürmung durch deutsche Truppen, das Unglück am 08. Mai und die anschließenden Kämpfe geschildert sowie das Beinhaus mit über 130000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten besichtigt. 

Die wechselvolle Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen wurde in der Europastadt Straßburg weiter erforscht. Zum einen erfolgte eine Stadtführung und eine Fahrt entlang der Weinstraße am Fuße der Vogesen, die durch eine kulturelle Vielfalt geprägt ist. Die Region am Oberrhein war durch ihre Lage beiderseits des Rheins viele Jahrhunderte zwischen Frankreich und Deutschland umstritten. Erlebbar wurde diese Geschichte im Memorial de l`Alsace-Moselle, einem Museum in Schirmeck, das die Geschichte des Elsass seit 1870 anschaulich aufarbeitet und dabei vor allem auf die wechselnde Gebietszugehörigkeit der Region eingeht. 

Der Besuch des KZ Struthoff hinterließ bei allen Teilnehmern tiefe Betroffenheit. Es stellte sich heraus, dass dies für fast alle Schülerinnen und Schülern der erste Besuch eines Konzentrationslagers war und dementsprechend wurde noch lange über das Thema gesprochen.

Den Abschluss des Seminars bildete der Besuch der Festung Schoenenbourg. Dieses Bauwerk ist eines der wenigen sehr gut erhaltenen Werke der Maginot-Linie, die besichtigt werden können. Durch einen 1000 Meter langen Tunnel, vorbei an Unterkünften, Werkstätten und Munitionsbunkern, gelangte die Gruppe zu den Kampfblocks. Hier konnte der noch heute ausfahrbare Panzerturm besichtigt werden. Nicht nur für Techniker ein interessanter Exkurs!

Ausschuss der Regionen
Stadtführung
Stadtführung
Verdun
Straßburg
Maginot-Linie

Bildergalerie

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Bilder aus Seminar 12118

Bilder aus Seminar 12119