Unbekanntes Bundesland Sachsen-Anhalt

Auch zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung ist Sachsen-Anhalt vielen Menschen kaum bekannt. Verglichen mit Berlin, Dresden oder Usedom zieht es nur wenige Reisende an. Die meisten fahren durch das Land hindurch und nehmen die an der Autobahn aufgestellten Hinweisschilder auf seine Sehenswürdigkeiten nur aus den Augenwinkeln wahr.
Diese Erfahrung teilten auch die 22 Bürgerinnen und Bürger aus Bückeburg und Minden. Für das Seminar der Karl-Arnold-Stiftung hatten sie sich auch genau aus diesem Grunde angemeldet: sie wollten sich das Bundesland einmal näher anschauen. 
Überrascht waren sie bereits bei der Besichtigung der Landeshauptstadt Magdeburg, die die Entwicklung von der Residenz Kaiser Ottos d.Gr. bis zur Gegenwart thematisierte. Zwar sind viele Kirchen, Klöster und Profanbauten nicht mehr erhalten, doch vermitteln auch die Relikte und Rekonstruktionen einen Eindruck von der einstigen Größe und Bedeutung dieser Stadt. Im Mittelalter war sie ein Machtzentrum, in dem deutsche und europäische Politik gemacht wurde.

Otto d.Gr. begegnete der Gruppe auf Schritt und Tritt: im Dom, wo er seit mehr als tausend Jahren ruht, als Reiterstandbild auf dem Marktplatz, als Fokus der neuen Landesausstellung über Otto und das Römische Reich etc. Während der DDR-Zeit nahezu vergessen, gibt es in Magdeburg nun einen „Otto-Hype“, dem sich kaum ein Besucher entziehen kann.

Die Dimensionen des gegenwärtigen Aufschwungs sahen die Teilnehmer an den vielen Neubauten in der Stadt, darunter das spektakuläre Hundertwasserhaus, für dessen Bau ein Wohnblock aus der DDR-Zeit gesprengt wurde. Einen großen Eindruck hinterließen auch die neuen Industrie- und Gewerbegebiete sowie das 2003 eröffnete Wasserstraßenkreuz, das die Überquerung der Elbe durch den Mittellandkanal ermöglicht.

Gespräch mit Innenminister Stahlknecht
Magdeburger Dom
Landtag Sachsen-Anhalt
Plenarsaal
Dr. Lutz Trümper, Oberbürgermeister
Gruppenbild im Rathaus
Magdeburger Dom
Hundertwasserhaus

Aufgaben und Probleme der aktuellen Politik in Sachsen-Anhalt standen im Mittelpunkt der Besuche im Innenministerium, im Landtag und im Rathaus der Stadt. Selbst der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, und der Oberbürgermeister von Magdeburg, Dr. Lutz Trümper, nahmen an den Gesprächen teil. Dr. Trümper informierte die Gruppe auch über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen in seiner Stadt und die vielen Schwierigkeiten, die während des Transformationsprozesses zu bewältigen waren.

Ein Beispiel für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen-Anhalt ist die unmittelbar nach der Wende gegründete Altmärker Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Stendal. Nach der Besichtigung des hochmodernen Produktionsbetriebes und einem Gespräch mit der Eigentümerfamilie durfte sich die Gruppe auch mit dem Gaumen von der Qualität der dort hergestellten Produkte überzeugen.

„Historisch“ wurde es dann wieder bei der Fahrt über die Straße der Romanik, an der in Sachsen-Anhalt mehr als 80 Dome, Burgen, Klöster und Kirchen aus dem 10. bis 13. Jahrhundert liegen. Führungen durch das ehemalige Kloster Jerichow und die Hansestadt Tangermünde, einst Nebenresidenz Kaiser Karls IV., rundeten die Ausflugsfahrt ab.

Der letzte Programmpunkt berührte ein bedrückendes Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte. Bei einer Führung über das Gelände des ehemaligen Grenzübergangs Helmstedt/ Marienborn erinnerten sich viele Teilnehmer an eigene Erlebnisse an diesem Ort. 

Fazit: Sachsen-Anhalt hat mehr zu bieten als die Durchgangstrasse in andere Bundesländer. Ein Besuch lohnt sich, auch für mehr als vier Tage.

Kloster Jerichow
Kloster Jerichow
Betriebsbesichtigung
Neustädter Tor
Rathaus Tangemünde
Wasserstraßenkreuz
Helmstedt/Marienborn
Helmstedt/Marienborn

Klicken Sie auf die Bilder im Bericht, um eine größere Ansicht zu erhalten.