Powerplay im Euroraum: Szenario und Spielablauf

Um verschiedene politische Prozesse wirklichkeitsnah zu simulieren, setzt die Karl-Arnold-Stiftung in der politischen Bildungsarbeit seit einigen Jahren sehr erfolgreich Planspiele ein. Durch die Planspielmethode werden die Teilnehmer/innen durch vereinfachte Simulation einer politischen Situation in die Lage versetzt, realistisch und praxisbezogen Einblicke in die Probleme und Zusammenhänge zu bekommen, eigene Entscheidungen zu treffen und Konsequenzen des Handelns zu erleben. Die Entscheidungen werden hierbei im Rahmen der Rollen und des vorgegebenen Settings so kreativ und selbstorganisiert wie möglich getroffen.

 

Das Planspiel „Powerplay im Euroraum“ ermöglicht es Jugendlichen und Erwachsenen ein Politikfeld auszuprobieren, in das sie in der Regel wenige Einblicke haben. Wirtschaftspolitik betrifft die Bürgerinnen und Bürger zwar unmittelbar, die Diskussion der Inhalte bleibt aber zumeist der Politik und den Fachleuten überlassen. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass der Themenbereich extrem komplex und deshalb abschreckend intransparent ist. Darüber hinaus verstellen populäre Vorurteile eine unabhängige Beurteilung.

 

In dem Planspiel „Powerplay im Euroraum“ wird daher die Komplexität durch die Konzentration auf die grundlegende Problemlage der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion reduziert: Im Zentrum stehen die mittelfristigen Zielen der EU, den Euro zu stabilisieren. 

 

Um die unterschiedlichen Positionen in den Fragen der Eurorettung abzubilden, sind im Planspiel das Europäische Parlament, der Rat der Europäischen Union, die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank vertreten und werden von den Teilnehmenden verkörpert. Nach einer Einführung in die Wirtschafts- und Fiskalpolitik der EU werden auf Grundlage des Gesetzgebungsverfahrens in der EU Vorschläge zur Lösung der europäischen Schuldenkrise diskutiert. 

 

Die Spielerinnen und Spieler erhalten Rollenprofile, in denen Hintergründe der jeweiligen Rollen sowie Aufgaben und Taktik erläutert werden. Das Diskussions- und Abstimmungsverhalten in den simulierten Sitzungen der EU-Organe orientiert sich an diesen Rollenprofilen. Die Spielerinnen und Spieler nehmen somit eine neue Identität an und vertreten Positionen, für die sie im „richtigen“ Leben unter Umständen nicht eintreten würden. Hierdurch werden Denkmuster hinterfragt und Verständnis für andere Meinungen gefördert.

 

Einige Eindrücke aus dem Planspiel am Paul-Spiegel-Berufskolleg in Warendorf:

 

Eröffnungsrede der Kommission
Hier tagen wichtige Institutionen
Besuch von Reinhold Sendker, MdB
Tagung im Plenum, vorne sitzt die Kommission
Abschlussbild aller Teilnehmenden

Die Vorlage für das Szenario ist an das von der EU beschlossene Gesetzespaket angelehnt. Dessen Bestandteile sind innerhalb der EU heftig umstritten. Unter den Mitgliedsstaaten besteht Uneinigkeit zwischen wirtschaftlich starken und wirtschaftlich schwachen Ländern. Die wirtschaftlich starken Länder drängen auf Strukturreformen und Lohnzurückhaltung zum Wettbewerbsgewinn und mahnen eine selbstverantwortliche Haushalts- und Wirtschaftpolitik aller Mitgliedstaaten an, die sich nicht auf andere verlassen darf. Die wirtschaftlich schwachen Länder sehen das Hauptproblem in einer aus ihrer Sicht wettbewerbsverzerrenden Wirtschaftspolitik der zurzeit gut dastehenden Mitgliedstaaten. Sie schlagen unter anderem flächendeckende Mindestlöhne und eine gemeinsame Kreditbasis für Investitionen, die sogenannten Eurobonds, vor. Diese Maßnahmen sollen einen Ausgleich des extremen Zinsgefälles für öffentliche Anleihen im Euroraum bewirken.

 

Aus parteipolitischer Sicht stehen sich ähnlich unüberbrückbare Positionen gegenüber. Die Parteien der liberalen und christdemokratischen Parteifamilien stehen grundsätzlich zur Überzeugung, dass Sparen der einzig gangbare Weg ist, um Überschuldung von Staatshaushalten einzudämmen und so auf den Anleihemärkten kreditwürdig zu bleiben. Die Mitgliedsparteien der grünen und sozialdemokratischen Parteifamilien sehen die Lösung zur Eindämmung der Überschuldung von Staatshaushalten in Investitionstätigkeit, Konsum sowie einer ordentlichen Steuererhebung um Wachstum und Steuereinnahmen zu generieren. 

 

Diese auf mehreren Ebenen verlaufende Kontroverse wird von den Spielerinnen und Spielern nachvollzogen. Nach Ende des eigentlichen Spielgeschehens findet eine Abschlussrunde statt, in der die Ergebnisse des Planspieles mit dem Inhalt des tatsächlichen Maßnahmenpakets verglichen werden. Die Teilnehmenden können so die Probleme und Herausforderungen, vor denen die EU im Zuge der Schuldenkrise steht, erkennen und sich auf Grundlage der eigenen Ergebnisse eine fundierte Meinung bilden.      

 

Das Planspiel „Powerplay im Euroraum“ eignet sich für Teilnehmer ab 16 Jahren. Die Einführung in die Grundlagen zur Wirtschafts- und Fiskalpolitik im Euroraum kann an die Vorkenntnisse der Teilnehmenden angepasst werden und somit sowohl von Gruppen mit etwas geringerem Vorwissen als auch mit Sachkundigen gespielt werden. Zur Vertiefung des erworbenen Wissens bietet die Karl-Arnold-Stiftung auf Wunsch in Verbindung mit dem Planspiel eine Exkursion nach Frankfurt am Main inklusive Diskussionen und Hintergrundgesprächen mit Experten der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Börse an. 

 

Das zweitägige Planspiel ohne Exkursionen bieten wir ab einem Tagungsbeitrag von 10 € pro Teilnehmer/in an. Das eintägige Planspiel und eine Exkursion nach Frankfurt am Main am nächsten Tag bieten wir ab 20 € pro Teilnehmer/in an. Auch die Kombination mit einem Tag in Brüssel ist möglich. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 25 Personen.   

 

Einige Eindrücke aus dem Planspiel am Don-Bosco-Gymnasium in Essen:

 

Verteilung der Unterlagen und Einführung
Anhörung Kommission und EZB
Fraktionssitzung des Parlaments
Ratssitzung
Abschlusskonferenz